Frage 1

Vertiefende Informationen zu Frage 1
 

Was bedeutet für Sie persönlich der Fall der Mauer vor fast 25 Jahren – und was die Deutsche Einheit?

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„Ich wollte es nicht glauben“


Als 16-Jähriger 1960 das erste Mal in Westberlin. Vom Ostsektor mit der S-Bahn kein Problem. Großes Staunen und erkunden, was zu tun ist, wenn man bleiben will. Wenn ich 18 Jahre bin und den Gesellenbrief in der Hand habe, dann nichts wie weg aus der DDR! Doch am 13. August 1961 war der Traum geplatzt. Mein christliches Engagement hat mich dann zu der Erkenntnis gebracht, im Osten zu bleiben und dort meine Aufgabe in der christlichen Jugendarbeit wahrzunehmen. Der Traum aber blieb, die Mauer irgendwann zu überwinden. Als ich denn zu einer „Dienstreise“ 1980 über Westberlin nach Hannover fahren durfte, hatte ich mich auf ein weltmännisches Frühstück im Interzonenzug gefreut. Doch nach dem Durchqueren der siebenfachen Grenzsicherung war mir der Appetit vergangen. Plötzlich war das schlechte Gewissen da: „Wieso darf ich fahren und 17 Mill. nicht?“ 
Als dann die Nachricht von der Öffnung der Mauer durch die Medien ging, wollte ich es nicht glauben. Dieser Staat, der mit äußerster Brutalität die Fluchtbarriere verteidigt hat, musste klein beigegeben? Mir ging das Psalmwort nicht aus dem Sinn: „Ihr werdet sein wie die Träumenden“ – und doch war es die Realität. Freiheit in greifbarer Nähe; die Angst vor der scheinbaren Allmacht einer verlogenen Ideologie hatte ein Ende. Es brauchte mehrere Wochen, bis dies vom Wissen ins Bewusstsein gewachsen war. Erst meinten wir, die DDR wird annehmbarer, aber als die Einzelheiten von Stasipraxis, geplanten Internierungslagern und maroder Wirtschaft bekannt wurden, gab es nur einen Weg nach vorn: Wiedervereinigung und zwar schnell. Auch ein Gedanke, an den wir uns gewöhnen mussten, aber es war der einzig richtige Weg. Albrecht Kaul

Als dann die Nachricht von der Öffnung der Mauer durch die Medien ging, wollte ich es nicht glauben. Dieser Staat, der mit äußerster Brutalität die Fluchtbarriere verteidigt hat, musste klein beigegeben? Mir ging das Psalmwort nicht aus dem Sinn: „Ihr werdet sein wie die Träumenden“ – und doch war es die Realität. Freiheit in greifbarer Nähe; die Angst vor der scheinbaren Allmacht einer verlogenen Ideologie hatte ein Ende. Es brauchte mehrere Wochen, bis dies vom Wissen ins Bewusstsein gewachsen war. Erst meinten wir, die DDR wird annehmbarer, aber als die Einzelheiten von Stasipraxis, geplanten Internierungslagern und maroder Wirtschaft bekannt wurden, gab es nur einen Weg nach vorn: Wiedervereinigung und zwar schnell. Auch ein Gedanke, an den wir uns gewöhnen mussten, aber es war der einzig richtige Weg.

Albrecht Kaul