Projekt Bundestagswahl · Deutschland · Israel

Ergebnisse

Wahlkreis 277: Rhein-Neckar (Baden-Württemberg)
Wolber, Dr. Edith
GRÜNE
5 Fragen beantwortet
 

Wahlkreis Rhein-Neckar

Frage 1:
Was bedeutet für Sie persönlich der Fall der Mauer vor fast 25 Jahren – und was die Deutsche Einheit?

Für mich bedeutet der Mauerfall: gelebte Demokratie. Ich habe großen Respekt vor all den Menschen, die sich trotz angedrohter oder realer Repression auf den Weg gemacht und für ein freies und somit würdevolles Leben gestritten haben.

 

Frage 2:
Welche Aufgaben im Zusammenwachsen der Menschen von Ost und West liegen weiterhin vor uns – und wie wollen Sie sie in Ihrer politischen Verantwortung verwirklichen?

Wir leben in einer auseinanderfallenden Gesellschaft, wobei die Frage nach Ost und West keine geographische ist sondern eine SOZIALE. Wir GRÜNEN haben in unserem Wahlprogramm valide Antworten, wie wir dieser ENTSOLIDARISIERUNG begegnen können: Umbau des Arbeitsmarktes (Recht auf GUTE Arbeit, Mindestlohn, Gleichstellung von Leiharbeit, gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit etc.), eine garantierte Grundrente, Kindergrundsicherung, Bürgerversicherung etc.

Frage 3:
Wie können Sie sich eine Aufwertung des Nationalfeiertags am 3. Oktober vorstellen? Wie stehen Sie zu dem Anliegen, den 3. Oktober als einen Tag unter dem Motto "Danken Feiern Beten" als öffentliche Veranstaltung unter Beteiligung der christlichen Kirchen in möglichst vielen Orten zu begehen?

Der 3. Oktober sollte m.E. eine Tag der zivilgesellschaftlichen Gruppierungen werden – denn sie sind der Garant für den Erhalt einer Demokratie. Mein Vertrauen in die „Kirche von unten“ ist in dieser Frage größer als das Vertrauen in die „Amtskirchen“. DankenFeiernBeten ist mir zu wenig. Meinen christlichen Auftrag verstehe ich als Engagement zur Bewahrung der Schöpfung und zum Aufbau einer solidarischen Gesellschaft, an der alle teilhaben können – niemand ausgegrenzt wird wegen seines je spezifischen So-Seins, oder Anders-Seins.

Frage 4:
Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach für die Politik die jüdisch-christlichen Werte – wie Nächstenliebe, Frieden, Versöhnung, Sonntagsruhe, Würde jeder menschlichen Person am Lebensanfang und am Lebensende, Ehe und Familie, usw. – im Kontext einer multikulturellen Gesellschaft?

Die genannten Werte sind nicht religionsgebunden, sondern m.E. allgemeingültige humanistische Werte und tragende Pfeiler einer JEDEN Gesellschaft, unabhängig von ihrer kulturellen  Zusammensetzung. Diese Werte könnten – außerhalb des Elternhauses -  in einem GEMEINSAMEN Ethikunterricht vermittelt werden.

Frage 5:
Brauchen wir neben einer Kultur des Gedenkens auch eine Kultur des Verzeihens, der Versöhnung und die Überwindung des Schweigens für Opfer und Täter nach dem Ende der DDR? Wie stehen Sie dazu im Hinblick auf die 25-Jahr-Feiern am 09. November 2014 und 03. Oktober 2015? Was sollte bis dahin geschehen und wie sollten diese Jubiläen dazu beitragen?

Gedenkfeiern dienen dem Erinnern und dem gemeinsamen Nachdenken über Vergangenes (und deren Fehler)…  und über Zukünftiges. Es gibt keine Zukunft ohne Reflexion der Irrtümer und ohne Eingeständnis des Irrtums. Diese Erkenntnis gilt allerdings für die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts – schließt also auch den Faschismus mit ein.

Wer reflektiert kann Ent-Schulden, ohne Greuel zu verharmlosen. Wer reflektiert verabschiedet sich aber auch vom Gedanken des kollektiven Versagens und der kollektiven Schuldzuweisung.

Mit Blick auf die Zunkunft wünsche ich mir eine Erziehung zur Fähigkeit des selber-denkens, zur Aufrichtigkeit und zur Zivilcourage: alles Eigenschaften die demokratische Strukturen ermöglichen und festigen. 

Erinnerungstage können -  in diesem Sinne gedacht – Solidarität stiften und Gesellschaft stärken.