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Ergebnisse

Wahlkreis 78: Berlin-Spandau – Charlottenburg Nord (Berlin)
Wegner, Kai Peter
CDU
5 Fragen beantwortet
 

Ausschuss für Wirtschaft und Technologie und Vorsitzender der Landesgruppe Berlin in der CDU/CSU-Fraktion

  • Seit 2011 Generalsekretär der CDU Berlin
  • Frage 1:
    Was bedeutet für Sie persönlich der Fall der Mauer vor fast 25 Jahren – und was die Deutsche Einheit?
    Der Fall der Mauer hat mich als West-Berliner, der nicht weit entfernt vom Todesstreifen aufgewachsen ist, tief bewegt. Ich betrachte es als einen wirklichen Glücksfall der Geschichte, dass das Deutsche Volk nach Jahrzehnten der gewaltsamen Teilung auf friedlichem Wege zurück zur Einheit in Freiheit gefunden hat. Die tatkräftige und entschlossene Politik von Helmut Kohl, dem Vater der Einheit, hat mir sehr imponiert. Das entschlossene Festhalten an der Deutschen Einheit war für mich ein Hauptgrund, in die CDU einzutreten.

    Meine Ehefrau stammt aus den Neuen Ländern. Insofern habe ich durch den Fall der Mauer auch ganz persönlich das große Los gezogen.

    Frage 2:
    Welche Aufgaben im Zusammenwachsen der Menschen von Ost und West liegen weiterhin vor uns – und wie wollen Sie sie in Ihrer politischen Verantwortung verwirklichen?

    Grundsätzlich denke ich, dass wir auf dem Weg zur echten inneren Einheit schon sehr weit gekommen sind. Bei Großereignissen wie Fußballweltmeisterschaften oder zuletzt der Flutkatastrophe halten alle Deutschen, egal ob in Nord oder Süd, Ost oder West, fest zusammen. Das zeigt, dass wir ein Volk sind.

    Leider gibt es aber fast 25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer noch immer viel zu häufig eine Mauer in den Köpfen. Um diese psychologische Barriere zu beseitigen, setzte ich mich dafür ein, das Unrecht der zweiten Diktatur in Deutschland weiter aufzuarbeiten. Auch streite ich dafür, endlich eine vollständige Angleichung der Löhne in Ost und West zu erreichen.

    Frage 3:
    Wie können Sie sich eine Aufwertung des Nationalfeiertags am 3. Oktober vorstellen? Wie stehen Sie zu dem Anliegen, den 3. Oktober als einen Tag unter dem Motto "Danken Feiern Beten" als öffentliche Veranstaltung unter Beteiligung der christlichen Kirchen in möglichst vielen Orten zu begehen?

    Es ist wichtig, dass sich die Deutschen an Feiertagen wie dem 3. Oktober in Dankbarkeit des Glücks ihrer nationalen Einheit erinnern. Ich fände es gut, wenn die Kirchen durch die in Ihrer Frage beschriebene Aktion dazu beitragen könnten, das Gedenken an die Wiedervereinigung weiter zu stärken und zu vitalisieren. Eine weitere Möglichkeit bestünde darin, den 17. Juni, also den Tag des Volksaufstandes in der DDR, der bis zum Mauerfall als Tag der Deutschen Einheit in Westdeutschland gefeiert wurde, aufzuwerten. Der Volksaufstand ist ein hochemotional besetztes Ereignis, anhand dessen die Bedeutung von Einigkeit und Recht und Freiheit besonders gut verdeutlicht werden kann.

    Frage 4:
    Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach für die Politik die jüdisch-christlichen Werte – wie Nächstenliebe, Frieden, Versöhnung, Sonntagsruhe, Würde jeder menschlichen Person am Lebensanfang und am Lebensende, Ehe und Familie, usw. – im Kontext einer multikulturellen Gesellschaft?

    Seit Jahrhunderten gestaltet das Christentum die Kultur in Deutschland und Europa mit. Das christlich-jüdische Erbe durchdringt das gesamte Leben, von Gesellschaft und Politik über Wirtschaft und soziale Gerechtigkeit bis hin zu Familie und Bildung. Dieses abendländische Erbe gilt es zu bewahren, weil Traditionen und Gebräuche gerade in den Zeiten der Globalisierung den Menschen Halt geben. Angesichts der Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen darf es aber nicht zu Ausgrenzungen kommen. Vielmehr ist Toleranz und Neugierde notwendig, und zwar auf allen Seiten. Basis des friedlichen Zusammenlebens ist die freiheitlich-demokratische Grundordnung unserer Verfassung.

    Frage 5:
    Brauchen wir neben einer Kultur des Gedenkens auch eine Kultur des Verzeihens, der Versöhnung und die Überwindung des Schweigens für Opfer und Täter nach dem Ende der DDR? Wie stehen Sie dazu im Hinblick auf die 25-Jahr-Feiern am 09. November 2014 und 03. Oktober 2015? Was sollte bis dahin geschehen und wie sollten diese Jubiläen dazu beitragen?

    Versöhnung setzt Wahrhaftigkeit voraus. Deshalb müssen wir die Geschichte der zweiten Diktatur in Deutschland weiter aufarbeiten, Verbrechen aufklären und an Unrecht erinnern. Die ungebrochen hohe Nachfrage nach Einsichtnahme in Stasi-Akten zeigt, dass hier weiter großer Bedarf besteht. Dies gilt auch und gerade angesichts der bevorstehenden 25-Jahr-Feiern am 9. November 2014 und am 3. Oktober 2015.

    Seit Jahren setze ich mich zudem dafür ein, authentische Erinnerungsorte sichtbar im Berliner Stadtbild zu verankern. So ist es jüngst gelungen, das bis dato namenlose Areal vor dem heutigen Bundesministerium der Finanzen als „Platz des Volksaufstandes von 1953“ zu benennen. Auch bei der jungen Generation dürfen die deutsche Teilung und das mit ihr verbundene Unrecht nicht in Vergessenheit geraten.