Das trifft zu. Nach dem Holocaust haben wir Deutsche noch für lange Zeit ein besonders sensibles, aber insgesamt freundschaftliches Verhältnis zu Israel. Dies entspringt unserer Verantwortung vor unserer eigenen Geschichte. Diese Freundschaft zu Israel bedingt aber nicht zwangsläufig eine völlig unkritische Zurückhaltung, ganz im Gegenteil. Freunde können kritischer miteinander umgehen.
Es war völlig richtig, dass sich Deutschland als Freund Israels aus der „Durban II“-Konferenz zurückgezogen hat. Maßgeblich hierfür waren zum Einen die Erfahrungen aus der 3. Weltkonferenz im Jahr 2001 in Durban (Südafrika), die zu einem gehässigen Tribunal gegen Israel missbraucht wurde. Deutschland und die USA haben daraufhin vorzeitig die Konferenz verlassen. Zum Anderen wird Irans Präsident Ahmadinedschad die Gelegenheit von „Durban II“ dazu benutzen, seine Hasstiraden bis hin zur Vernichtung Israels wieder in die Welt hinauszuposaunen.
Solche Demagogen muss man bei dieser Gelegenheit ignorieren.
Deutschland muss sich, wie alle anderen Länder auch, auf dem Verhandlungswege und mit wirtschaftlichem Druck, darum bemühen, diese Gefahr abzuwenden. Der Iran darf keine Atommacht werden (das gilt für alle Länder, denn Atomwaffen sind sinnlos). Deutschland muss aber auch alles tun, um Israel von einer militärischen Angriffsaktion gegen den Iran abzuhalten. Die Folgen könnten für Israel existenzbedrohend werden.
Geostrategisch gesehen machen die eines Tages auf Israel gerichtete Atomwaffen keinen Sinn, weil die Auswirkungen eines atomaren Angriffs nicht begrenzbar sind und daher weite Gebiete des arabischen Raumes mit einbezogen würden.
Zu dieser Position der Hamas bedarf es der unmissverständlichen Botschaft, dass einer Vernichtung Israels entschieden und mit allen Mitteln entgegengetreten und dass Terror unnachgiebig bekämpft wird.
Man muss aber zur Kenntnis nehmen, dass es auch innerhalb der Hamas gemäßigtere Positionen gibt. Es gibt in der Hamas einen politischen Teil, der im palästinensischen Parlament agiert und einen sozialen Teil, der für die einfachen Menschen gute Arbeit leistet. Wir befassen uns aber vorwiegend mit dem militanten Teil der Hamas. Diese verbohrten Fundamentalisten sind aber wegen ihrer Waffen der bestimmende Teil der Hamas, nicht wegen eines repräsentativen Führungsanspruchs, was sich im Gazastreifen deutlich zeigt. Diese fundamentalistischen Akteure unterdrücken immer noch das einfache Volk. Und dieser Teil kann argumentativ nicht erreicht werden.
Eine angemessene Strategie muss bevorzugt von Israel kommen. Diese muss darin liegen, dass der Siedlungsbau in der Westbank sofort eingestellt und vorhandene Siedlungen zurückgebaut werden, dass der Besatzungsstatus langsam, soweit es die Sicherheit Israels zulässt, zurückgebildet wird und dass das politische Israel eindeutig einer Zweistaatenregelung zustimmt. Nur hierin kann die Lösung liegen und kann eines fernen Tages Frieden bringen.
Ein Großisrael auf der Grundlage der Aussagen des Alten Testaments lehne ich ab.
Die Beziehungen halte ich für gut und entwicklungsfähig in Richtung einer Vertiefung der bisher gewachsenen Freundschaft, die auch mal ein kritisches Wort verträgt.
Außerhalb der politischen Ebene konnte ich bei zahlreichen Gesprächen feststellen, dass eine große Offenheit und Dialogbereitschaft auf beiden Seiten vorhanden ist.
Für unseren Wahlkreis gilt die Grundregel, wie überall: Zwischenmenschliche Kontakte pflegen, ein offener und von gegenseitigem Respekt geprägter Umgang über Glaubens- und Kulturgrenzen hinweg. Das unterstützt den Frieden und die Verständigung und nützt auch in der Konfliktsituation Israel / Palästina.
Es müssen aber alle, immer noch latent vorhandenen, Formen des Antisemitismus in unserer Gesellschaft mutig und entschlossen bekämpft werden.
Ergebnisse
der Befragungen