Projekt Bundestagswahl · Deutschland · Israel

Ergebnisse

Wahlkreis 221: München-West/Mitte (Bayern)
Uhl, Dr. Hans-Peter
CSU
5 Fragen beantwortet
 
Frage 1:
Was bedeutet für Sie persönlich der Fall der Mauer vor fast 25 Jahren – und was die Deutsche Einheit?

Die Wiedervereinigung ist eine Gnade und ein Geschenk; zugleich eine ungeheure politische Bestätigung für alle, die – angeführt von Franz Josef Strauß – in den 1970er Jahren gegen starke Anfeindungen für das verfassungsmäßige Gebot der Wiedervereinigung gekämpft und – wie Helmut Kohl - die Entspannungspolitik zwischen Ost und West und die Beziehungen zur DDR immer unter dieser Maßgabe verstanden und gestaltet haben.

Frage 2:
Welche Aufgaben im Zusammenwachsen der Menschen von Ost und West liegen weiterhin vor uns – und wie wollen Sie sie in Ihrer politischen Verantwortung verwirklichen?

Die großen Fragen der Transformation sind auf der technischen und finanziellen Ebene des Gesetzgebers bereits beantwortet worden. Die politische Verantwortung liegt künftig v.a. darin, die Einheit auch im öffentlichen Reden zu vertiefen. Allen Tendenzen zu neuen Schuldzuweisungen und zur populistischen Spaltung zwischen Ost und West – etwa bei der Diskussion um die Rente – müssen unterbleiben.

Frage 3:
Wie können Sie sich eine Aufwertung des Nationalfeiertags am 3. Oktober vorstellen? Wie stehen Sie zu dem Anliegen, den 3. Oktober als einen Tag unter dem Motto "Danken Feiern Beten" als öffentliche Veranstaltung unter Beteiligung der christlichen Kirchen in möglichst vielen Orten zu begehen?

Es wäre sicherlich sehr schön und passend, wenn die christlichen Kirchen den Nationalfeiertag stärker in ihren Jahreskreis integrieren könnten, etwa durch ein überörtliches Motto in den Sonntagsgottesdiensten.

Frage 4:
Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach für die Politik die jüdisch-christlichen Werte – wie Nächstenliebe, Frieden, Versöhnung, Sonntagsruhe, Würde jeder menschlichen Person am Lebensanfang und am Lebensende, Ehe und Familie, usw. – im Kontext einer multikulturellen Gesellschaft?

Ohne die engagierten Christen wäre unsere Gesellschaft eine andere, und sicherlich keine bessere. Die Humanität und Lebensklugheit der christlichen Ethik zum Wohle der Gesamtgesellschaft einzubringen und zu aktivieren, ist ein höchst bedeutsamer Beitrag, der letztlich nur aus der Gemeinschaft der Gläubigen heraus geleistet und erneuert werden kann. Dieser Beitrag wird qualitativ immer wichtiger, wenn wir Christen quantitativ an sozialer Relevanz weiter einbüßen und sich die Gesellschaft kulturell stärker ausdifferenziert.

Frage 5:
Brauchen wir neben einer Kultur des Gedenkens auch eine Kultur des Verzeihens, der Versöhnung und die Überwindung des Schweigens für Opfer und Täter nach dem Ende der DDR? Wie stehen Sie dazu im Hinblick auf die 25-Jahr-Feiern am 09. November 2014 und 03. Oktober 2015? Was sollte bis dahin geschehen und wie sollten diese Jubiläen dazu beitragen?

Die Kultur des Verzeihens und der Versöhnung, weiter gefasst als Kultur der Nachdenklichkeit und des differenzierten Urteils, ist auf jeden Fall zu fördern. Diese Haltung ist sicherlich die ‚Kernkompetenz‘ von sozial engagierten, modernen Christen. Gerade auf Seiten der ehemaligen Täter wären jedoch vernehmbare Worte und Zeichen des Schuldeingeständnisses und des Bedauerns sehr hilfreich. Gäbe es mehr solcher aufrichtiger Gesten, so würde es auch der Öffentlichkeit und den Opfern der SED-Diktatur leichter fallen, den ehemaligen Standpunkt und Lebenslauf der Täter versöhnlich zu betrachten.