Projekt Bundestagswahl · Deutschland · Israel

Ergebnisse

Sonstige (Sonstige)
Solms, Dr. Hermann Otto
FDP
5 Fragen beantwortet
 


Vizepräsident des Deutschen Bundestags 
Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft und Technologie
Vorsitzender des Arbeitskreises II (Wirtschaft und Finanzen) der FDP-Bundestagsfraktion

Frage 1:
Was bedeutet für Sie persönlich der Fall der Mauer vor fast 25 Jahren – und was die Deutsche Einheit?

Das herausragende Erlebnis in meiner Zeit als Parlamentarier war mit weitem Abstand die deutsche Einheit. Die Wiedervereinigung ist der Grund, warum ich überhaupt so lange im Bundestag geblieben bin. Eigentlich wollte ich damals aus der Politik ausscheiden, um wieder einer wirtschaftlichen Tätigkeit nachzugehen. Aber die politische Herausforderung, die deutsche Einheit mitzugestalten, hat meine privaten Pläne über den Haufen geworfen. Dieser Jahrhundertaufgabe wollte ich mich auf gar keinen Fall entziehen. Also habe ich die historische Gelegenheit beim Schopf gepackt, die Deutsche Einheit mitzugestalten – und das in allen Bereichen der Wirtschaft-, Währungs- und Sozialunion. Es war wahrhaftig eine anstrengende aber auch atemberaubende und begeisternde Zeit.

Frage 2:
Welche Aufgaben im Zusammenwachsen der Menschen von Ost und West liegen weiterhin vor uns – und wie wollen Sie sie in Ihrer politischen Verantwortung verwirklichen?

Ost und West sind schon sehr stark zusammengewachsen. Viele angebliche Gegensätze sind meiner Ansicht nach von den Medien gemacht: Zwischen Bayern und Holsteinern gibt es schließlich ebenso große – oder eben kleine –  Unterschiede wie zwischen Saarländern und Sachsen. Noch immer ist die Arbeitslosigkeit in einigen östlichen Landesteilen sehr hoch. Ich denke an Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg. Hier muss in der Tat noch mehr geschehen, um zu verhindern, dass Landstriche veröden.

Frage 3:
Wie können Sie sich eine Aufwertung des Nationalfeiertags am 3. Oktober vorstellen? Wie stehen Sie zu dem Anliegen, den 3. Oktober als einen Tag unter dem Motto "Danken Feiern Beten" als öffentliche Veranstaltung unter Beteiligung der christlichen Kirchen in möglichst vielen Orten zu begehen?

Vor allem, wenn ich bedenke, wie groß der Beitrag der christlichen Kirchen an der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten war, halte ich diese Idee für ausgezeichnet. So lässt sich sehr gut daran erinnern, dass Oppositionelle in den Kirchen der DDR eine Heimstatt fanden und dass die Idee der friedlichen Revolution aus den Kirchen in das Land getragen wurde.

Frage 4:
Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach für die Politik die jüdisch-christlichen Werte – wie Nächstenliebe, Frieden, Versöhnung, Sonntagsruhe, Würde jeder menschlichen Person am Lebensanfang und am Lebensende, Ehe und Familie, usw. – im Kontext einer multikulturellen Gesellschaft?

Die von Ihnen genannten Grundwerte halte ich für außerordentlich wichtig, möchte sie aber nicht nur auf die Politik beschränkt sehen. Es sind Werte, die unsere Gesellschaft auf allen Ebenen prägen und durchdringen. Von allen politischen wie gesellschaftlichen Kräften, die fest auf dem Boden unseres Grundgesetzes stehen, erwarte ich, dass sie diese Werte - zu denen zuvörderst die Freiheit gehört – täglich neu verteidigen.

Frage 5:
Brauchen wir neben einer Kultur des Gedenkens auch eine Kultur des Verzeihens, der Versöhnung und die Überwindung des Schweigens für Opfer und Täter nach dem Ende der DDR? Wie stehen Sie dazu im Hinblick auf die 25-Jahr-Feiern am 09. November 2014 und 03. Oktober 2015? Was sollte bis dahin geschehen und wie sollten diese Jubiläen dazu beitragen?

Versöhnen und verzeihen ist ein elementarer Teil unseres Selbstverständnisses als Christen. Wer fähig ist, sich zu versöhnen, kann seine Zukunft meistern. Wer verzeiht, hat beste Chancen, seinen Groll und seine Bitterkeit hinter sich zu lassen.

Gegenüber Opfern wie Tätern des DDR-Unrechts haben wir freilich eine wesentliche Verantwortung zu wahren. Sie beinhaltet, dass wir die ungeheuerlichen Taten des DDR-Regimes und seines Handlangers, der Stasi, aufarbeiten. Es ist wichtig, dass wir als Gesellschaft das Wissen um das Geschehene an all jene weitergeben, die dieses Unrecht nicht erlebt haben. Auch hier gilt: Wer seine Geschichte kennt, kann seine Gegenwart verstehen und seine Zukunft meistern. 

Diese beiden Aspekte müssen in die Vorbereitung und Gestaltung der von Ihnen angesprochenen Jubiläen einfließen.