Projekt Bundestagswahl · Deutschland · Israel

Ergebnisse

Wahlkreis 192: Gotha – Ilm-Kreis (Thüringen)
Schipanski, Tankred
CDU
5 Fragen beantwortet
 

  • Ordentliches Mitglied des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung
  • Stellvertretendes Mitglied im Rechtsausschuss
  • Stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union
  • Mitglied der Enquete-Kommission “Internet und digitale Gesellschaft”
  • Mitglied im Unterausschuss “Neue Medien”
  • Mitglied im Untersuchungsausschuss “Terrorgruppe nationalistischer Untergrund (NSU)”

Frage 1:
Was bedeutet für Sie persönlich der Fall der Mauer vor fast 25 Jahren – und was die Deutsche Einheit?

Die deutsche Wiedervereinigung hat es mir ermöglicht, selbstbestimmt und in Freiheit zu leben. So konnte ich meinen späteren Beruf frei wählen und mich bewusst für ein politisches Engagement in der CDU entscheiden. Noch heute empfinde ich Dankbarkeit und Respekt für die Menschen, die für die Deutsche Einheit auf die Straße gegangen sind und maßgeblich dazu beigetragen haben, das totalitäre DDR-Regime in die Knie zu zwingen.

Frage 2:
Welche Aufgaben im Zusammenwachsen der Menschen von Ost und West liegen weiterhin vor uns – und wie wollen Sie sie in Ihrer politischen Verantwortung verwirklichen?

Noch immer haben wir unterschiedliche Lebensverhältnisse in Ost und West. So liegen Löhne und Renten in den Neuen Ländern noch immer unterhalb des West-Niveaus. Auf der anderen Seite ist der Ausbau der Kinderbetreuung im Osten weiter vorangeschritten als im Westen. Bei der wirtschaftlichen Entwicklung in den Neuen Ländern müssen wir im Sinne der Nachhaltigkeit darauf achten, dass nicht nur Arbeitsplätze in der Produktion entstehen, sondern auch in Forschung und Entwicklung. Die Infrastrukturprojekte zur Deutschen Einheit müssen wir rasch abschließen.

Frage 3:
Wie können Sie sich eine Aufwertung des Nationalfeiertags am 3. Oktober vorstellen? Wie stehen Sie zu dem Anliegen, den 3. Oktober als einen Tag unter dem Motto "Danken Feiern Beten" als öffentliche Veranstaltung unter Beteiligung der christlichen Kirchen in möglichst vielen Orten zu begehen?

Ich empfinde die bisherige Begehung unseres Nationalfeiertages am 3. Oktober als würdevoll und angemessen. Daran sollten wir festhalten. Bereits heute gibt es zahlreiche Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet und einen zentralen Festakt. Hieran sind neben der Politik auch Kirchen, Vereine, Wirtschaft, Gewerkschaften und andere gesellschaftliche Gruppen beteiligt. Einem noch stärkeren Engagement der christlichen Kirchen stehe ich aufgeschlossen gegenüber.

Frage 4:
Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach für die Politik die jüdisch-christlichen Werte – wie Nächstenliebe, Frieden, Versöhnung, Sonntagsruhe, Würde jeder menschlichen Person am Lebensanfang und am Lebensende, Ehe und Familie, usw. – im Kontext einer multikulturellen Gesellschaft?

Das christliche Menschenbild ist – neben z. B. der sozialen Marktwirtschaft – eine der fundamentalen Grundüberzeugungen der CDU. Die mit ihr verbundenen Werte wie Nächstenliebe, Frieden und Versöhnung versuchen wir im politischen Alltag mit Leben zu füllen. Das zeigt sich beispielsweise im Umgang mit dem menschlichen Leben, insbesondere an dessen Beginn und Ende. Das christliche Menschenbild ist ohne das Judentum nicht denkbar. Den christlichen Kirchen und der jüdischen Gemeinde in Deutschland bin ich für ihr großes gesellschaftliches Engagement dankbar und möchte es gerne weiterhin unterstützen.

Frage 5:
Brauchen wir neben einer Kultur des Gedenkens auch eine Kultur des Verzeihens, der Versöhnung und die Überwindung des Schweigens für Opfer und Täter nach dem Ende der DDR? Wie stehen Sie dazu im Hinblick auf die 25-Jahr-Feiern am 09. November 2014 und 03. Oktober 2015? Was sollte bis dahin geschehen und wie sollten diese Jubiläen dazu beitragen?

Ich bekenne mich zur Versöhnung als wichtigem christlichen Grundsatz. Dennoch halte ich es für dringend notwendig, Unrecht und Verfolgung in beiden deutschen Diktaturen vollständig aufzuarbeiten und dadurch einen Beitrag dazu zu leisten, dass sich die dunkelsten Kapitel unserer Geschichte nicht wiederholen. Zahlreiche Menschen haben unermessliches Leid erfahren und einen Anspruch auf Aufarbeitung. Eine wehrhafte Demokratie zeichnet sich gerade auch dadurch aus, dass sie Unrecht anprangert und die Täter zur Rechenschaft zieht.