Projekt Bundestagswahl · Deutschland · Israel

Ergebnisse

Wahlkreis 206: Mainz (Rheinland-Pfalz)
Rößner, Tabea
GRÜNE
5 Fragen beantwortet
 

In der grünen Bundestagsfraktion bin ich die Sprecherin für Medienpolitik und Demografie, außerdem habe ich einen ständigen Sitz im Ausschuss für Kultur und Medien, bin Obfrau im Unterausschuss Neue Medien sowie stellvertretendes Mitglied im Innenausschuss und im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. In der Enquete-Kommission "Internt und digitale Gesellschaft" habe ich einen von zwei grünen Sitzen.

Frage 1:
Was bedeutet für Sie persönlich der Fall der Mauer vor fast 25 Jahren – und was die Deutsche Einheit?

Der Fall der Mauer hat für mich persönlich das Zusammenführen meiner Familie bedeutet. Meine Mutter stammt aus Thüringen, ein Teil ihrer Familie ist vor dem Mauerbau in den Westen übergesiedelt, der andere Teil blieb in der DDR, mit Ausnahme eines Onkels, der samt Familie auf abenteuerliche Weise aus der DDR geflohen war. Als Journalistin habe ich zum 10. Jahrestag der Deutschen Einheit einen Film über
das Zusammenwachsen von Ost und West gemacht und musste leider feststellen, dass die Mauer in den Köpfen leider immer noch vorhanden war. Nach 23 Jahren ist die Deutsche Einheit ein ganzes Stück vorangekommen. Meine Kinder sind in Gesamtdeutschland geboren und aufwachsen, für sie ist die Teilung ferne Vergangenheit. Dennoch müssen wir weiter an der Deutschen Einheit arbeiten, wir haben immer noch unterschiedliche Lohn- und Rentenniveaus, diese Unterschiede gilt es abzubauen.

Frage 2:
Welche Aufgaben im Zusammenwachsen der Menschen von Ost und West liegen weiterhin vor uns – und wie wollen Sie sie in Ihrer politischen Verantwortung verwirklichen?

Eine aktive, bewusste Auseinandersetzung mit Fragen zur deutsch-deutschen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist weiterhin wichtig. Wir brauchen neue Ideen und Projekte zur Entwicklung zukunfts­fähi­ger gesellschaftlicher Strukturen in Ostdeutschland, aber auch gemeinsam bundesweit. Bündnisgrüne Politik für Ostdeutschland vertraut auf aktive Menschen und vorhandenes Potenzial. Wir wollen Rahmenbedingungen schaffen, die lokales Engagement befördern und nicht behindern. Wir schaffen Netzwerke und unterstützen Menschen vor Ort, die anpacken, sich engagieren und sich für ihre Region stark machen. 

Die anhaltende Abwanderung junger, gut ausgebildeter Menschen ist eine besondere Schwierigkeit für die Gesellschaft und die Wirtschaft in Ostdeutschland. Aber auch in ländlichen Räumen Westdeutsch­lands findet diese Abwanderung inzwischen statt. Wir sollten daher nicht mehr Ost- und Westdeutsch­land getrennt betrachten, sondern die Probleme der einzelnen Regionen herausarbeiten und im Hinblick auf Konzepte für diese Regionen, die mit Abwanderung und Alterung der Gesellschaft zu kämpfen haben, gemeinsam Konzepte entwickeln. Nur durch den Blick auf Gesamtdeutschland wird die Deutsche Einheit auch wirklich Realität.

Frage 3:
Wie können Sie sich eine Aufwertung des Nationalfeiertags am 3. Oktober vorstellen? Wie stehen Sie zu dem Anliegen, den 3. Oktober als einen Tag unter dem Motto "Danken Feiern Beten" als öffentliche Veranstaltung unter Beteiligung der christlichen Kirchen in möglichst vielen Orten zu begehen?

Der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober ist der Nationalfeiertag für alle Bürgerinnen und Bürger unabhängig davon, ob sie einem religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnis folgen oder nicht. Glaubensgemeinschaften sind wie andere zivilgesellschaftliche Gruppen eingeladen und aufgerufen, sich an diesem Tag mit ihren Anliegen und Vorstellungen einzubringen. Eine Ausgestaltung staatlicher Veranstaltungen in einer Weise, die nicht gläubige Menschen ausgrenzt, kann ich nicht befürworten. Das würde weder der religiös-weltanschaulichen Pluralität der Gesellschaft noch dem Charakter des Einheitstages gerecht werden.

Frage 4:
Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach für die Politik die jüdisch-christlichen Werte – wie Nächstenliebe, Frieden, Versöhnung, Sonntagsruhe, Würde jeder menschlichen Person am Lebensanfang und am Lebensende, Ehe und Familie, usw. – im Kontext einer multikulturellen Gesellschaft?

Die plurale, demokratische Gesellschaft speist sich aus Werten, die vielen unterschiedlichen Quellen entstammen. Auch meine Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ist aus vielfältigen Wurzeln zusammenge­wachsen. Christinnen und Christen waren und sind an der Entwicklung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN aktiv beteiligt, ebenso Menschen jüdischen oder muslimischen Glaubens. 

Im Mittelpunkt unserer Politik steht der Mensch mit seiner Würde und seiner Freiheit. Grüne Politik ist dem Maßstab der Gerechtigkeit verpflichtet. Unsere Vision ist eine Gesellschaft, in der die Menschen­rechte unteilbar und universell gültig sind und in der Selbstbestimmung in Verantwortung verwirklicht werden kann.

Frage 5:
Brauchen wir neben einer Kultur des Gedenkens auch eine Kultur des Verzeihens, der Versöhnung und die Überwindung des Schweigens für Opfer und Täter nach dem Ende der DDR? Wie stehen Sie dazu im Hinblick auf die 25-Jahr-Feiern am 09. November 2014 und 03. Oktober 2015? Was sollte bis dahin geschehen und wie sollten diese Jubiläen dazu beitragen?
Das Unrechtssystem der DDR hat vielen Menschen unendliches seelisches und körperliches Leid zugefügt. Menschen, die sich gegen den totalitären Staat aufgelehnt haben, wurden politisch verfolgt.