Projekt Bundestagswahl · Deutschland · Israel

Ergebnisse

Wahlkreis 87: Aachen I (Nordrhein-Westfalen)
Henke, Rudolf
CDU
5 Fragen beantwortet
 

Aachen -  Seit 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages, Mitglied der Ausschüsse für Gesundheit sowie für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung
Seit 2009 Mitglied des Vorstands der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Frage 1:
Was bedeutet für Sie persönlich der Fall der Mauer vor fast 25 Jahren – und was die Deutsche Einheit?

Ein großes Glück und eine Bestätigung, wie richtig es war, an dem Streben nach der Deutschen Einheit auch dann festzuhalten, als viele nicht mehr daran glaubten. Und eine große politische Gestaltungsaufgabe, die uns auch in Zukunft weiter beschäftigt.

Frage 2:
Welche Aufgaben im Zusammenwachsen der Menschen von Ost und West liegen weiterhin vor uns – und wie wollen Sie sie in Ihrer politischen Verantwortung verwirklichen?

Fast ein Vierteljahrhundert liegt der Fall derMauer zurück. Eine ganze Generation junger Menschen ist bereits im wiedervereinigten Deutschland aufgewachsen. Dennoch sind die Folgen der Teilung auch heute noch spürbar. Die Arbeitslosigkeit liegt deutlich höher als in Westdeutschland. Vor allem in den ländlichen, strukturschwachen Regionen sind die Folgen der negativen Bevölkerungsentwicklung deutlich zu spüren.Vor diesem Hintergrund muss an der Zielsetzung festgehalten werden, die Lebensverhältnisse in Deutschland bis 2019 bundesweit weitgehend anzugleichen. Die zentralen Ziele sind das schnelle Erreichen einer möglichst hohen Steuerdeckungsquote der ostdeutschen Länder, die Steigerung derWirtschaftskraft und die Reduzierung der

Arbeitslosigkeit.

Die Aufarbeitung der Lasten der ehemaligen DDR ist eine Generationenaufgabe, sowohl für

die Menschen aus dem Osten, als auch für die Menschen aus dem Westen.

Frage 3:
Wie können Sie sich eine Aufwertung des Nationalfeiertags am 3. Oktober vorstellen? Wie stehen Sie zu dem Anliegen, den 3. Oktober als einen Tag unter dem Motto "Danken Feiern Beten" als öffentliche Veranstaltung unter Beteiligung der christlichen Kirchen in möglichst vielen Orten zu begehen?

Der Nationalfeiertag am 3. Oktober wird in unterschiedlicherWeise begangen. Er ist  zunächst ein gesetzlicher Feiertag. Im Rahmen des Tags der Deutschen Einheit finden bundesweit Bürgerfeste statt, die zentrale Veranstaltung wird nach der Königsteiner Vereinbarung, im Rahmen eines großen Volksfests in der Landeshauptstadt, die den Vorsitz im Bundesrat innehat, ausgerichtet.

Seit 1997 laden ebenfalls Moscheen und islamische Gemeinden zum „Tag der offenen Moscheen“ ein. An diesem Fest sieht man die interreligiöse- und interkulturelle Vielfalt, die ein solcher Feiertag mit sich bringt. Eine Beteiligung der christlichen Kirchen zur Etablierung von Veranstaltungen ihrerseits stehe ich sehr positiv gegenüber.

Frage 4:
Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach für die Politik die jüdisch-christlichen Werte – wie Nächstenliebe, Frieden, Versöhnung, Sonntagsruhe, Würde jeder menschlichen Person am Lebensanfang und am Lebensende, Ehe und Familie, usw. – im Kontext einer multikulturellen Gesellschaft?

Sie gehören zu den wichtigen Quellen des europäischen Denkens, nicht minder wichtig als die antiken Philosophen der Griechen und Römer und die Aufklärung. Mein Eindruck ist, dass viele, die selbst keinen persönlichen Bezug zum Christentum mehr finden, doch froh sind,wenn sie sich auf die Einsatzbereitschaft von Christen für andere verlassen können.

Übrigens fehlt in der Aufzählung das gesellschaftliche Gestaltungsprinzip der katholischenSoziallehre wie der evangelischen Sozialethik – die Subsidiarität.

Frage 5:
Brauchen wir neben einer Kultur des Gedenkens auch eine Kultur des Verzeihens, der Versöhnung und die Überwindung des Schweigens für Opfer und Täter nach dem Ende der DDR? Wie stehen Sie dazu im Hinblick auf die 25-Jahr-Feiern am 09. November 2014 und 03. Oktober 2015? Was sollte bis dahin geschehen und wie sollten diese Jubiläen dazu beitragen?

Ja. Allerdings haben Verzeihen, Versöhnung und das Gespräch miteinander immer eine persönliche Voraussetzung, und der Staat kann nicht planen und voraussetzen, dass ein Opfer vergeben kann. Das Vergeben darf auch nicht zu einer romantischen Idylle entgleiten, die systematisch die Verantwortlichkeiten verwischt.

Für die Jubiläen denke ich, dass es genügend Raum gibt zu persönlichen Zeichen des Verzeihens, wenn das gewünscht ist. Im Blick auf die Lebensspanne der Beteiligten ist es wichtig, die möglichen Zeichen des Verzeihens rechtzeitig in den Blick zu nehmen.