Projekt Bundestagswahl · Deutschland · Israel

Ergebnisse

Wahlkreis 12: Schwerin – Ludwigslust-Parchim I – Nordwestmecklenburg I (Mecklenburg-Vorpommern)
Hacker, Hans-Joachim
SPD
5 Fragen beantwortet
 

Schwerin/Ludwigslust

Frage 1:
Was bedeutet für Sie persönlich der Fall der Mauer vor fast 25 Jahren – und was die Deutsche Einheit?


Der Fall der Mauer und die Deutsche Einheit stellen für mich eine historische Einheit der Friedlichen Revolution dar. Für mich persönlich ist damit eine Hoffnung in Erfüllung gegangen, an die ich wie andere auch erst im Herbst 1989 glauben konnte.

Frage 2:
Welche Aufgaben im Zusammenwachsen der Menschen von Ost und West liegen weiterhin vor uns – und wie wollen Sie sie in Ihrer politischen Verantwortung verwirklichen?


Die Deutschen haben in den letzten 23 Jahren ein großes Aufbauwerk geleistet, gemeinsam durch Engagement und Solidarität. Ich sehe heute die Notwendigkeit, die noch bestehenden Unterschiede im sozialen Bereich zu überwinden, wobei aus meiner Sicht insbesondere die Rentenanpassung Ost/West und die Lohnentwicklung in den neuen Ländern zu nennen sind.

Frage 3:
Wie können Sie sich eine Aufwertung des Nationalfeiertags am 3. Oktober vorstellen? Wie stehen Sie zu dem Anliegen, den 3. Oktober als einen Tag unter dem Motto "Danken Feiern Beten" als öffentliche Veranstaltung unter Beteiligung der christlichen Kirchen in möglichst vielen Orten zu begehen?


Staatlicherseits wird der Tag der Deutschen Einheit am 03. Oktober in würdiger Form begangen. Den christlichen Kirchen ist es freigestellt, eigene öffentliche Veranstaltungen durchzuführen. Diese sollten jedoch keinen ritualen Charakter haben, sondern die Chance für die Begegnung von Menschen aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands eröffnen.

Frage 4:
Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach für die Politik die jüdisch-christlichen Werte – wie Nächstenliebe, Frieden, Versöhnung, Sonntagsruhe, Würde jeder menschlichen Person am Lebensanfang und am Lebensende, Ehe und Familie, usw. – im Kontext einer multikulturellen Gesellschaft?


Die jüdisch-christlichen Werte haben die Werteordnung unseres Grundgesetzes wesentlich bestimmt. Sie sind und bleiben auch in Zukunft wichtige Elemente einer veränderten Gesellschaft in Deutschland, die heute stärker als früher durch kulturelle Vielfalt gekennzeichnet ist. 

 

Frage 5:
Brauchen wir neben einer Kultur des Gedenkens auch eine Kultur des Verzeihens, der Versöhnung und die Überwindung des Schweigens für Opfer und Täter nach dem Ende der DDR? Wie stehen Sie dazu im Hinblick auf die 25-Jahr-Feiern am 09. November 2014 und 03. Oktober 2015? Was sollte bis dahin geschehen und wie sollten diese Jubiläen dazu beitragen?


Der Prozess des Verzeihens und der Versöhnung ist in den letzten zwei Jahrzehnten nicht nachhaltig gelungen. Das liegt daran, dass sich Verantwortungsträger des DDR-Regimes und Täter nur in seltenen Fällen zu ihrer Verantwortung bekannt haben. Nicht selten ist die Diskussion über die Auseinandersetzung mit dem DDR-System zu stark unter dem Stichwort "Stasi" geführt worden. Dazu kommt, dass Populisten - dazu gehören auch Politiker - keine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Unrecht in der DDR geführt haben und gern bereit waren, das DDR-Unrechtssystem, das im wesentlichen von der SED getragen wurde, mit den Menschen, die in diesem System gelebt haben und ihren Lebensleistungen gleichzusetzen. 

Ja, wir brauchen eine Kultur des Gedenkens. Eine Kultur des Verzeihens und der Versöhnung und der Überwindung des Schweigens kann nur wachsen, wenn beide Gruppen über die bisherigen Schatten springen. Meine Hoffnung darauf ist vor dem Hintergrund der Erfahrungen der letzten zwei Jahrzehnte begrenzt.