Projekt Bundestagswahl · Deutschland · Israel

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Wahlkreis 109: Neuss I (Nordrhein-Westfalen)
Gröhe, Hermann
CDU
5 Fragen beantwortet
 

Mitglied des Rates und der Synode der EKD, Mitglied im Vorstand der Konrad-Adenauer-Stiftung

Frage 1:
Wie bewerten Sie die Aussage: Deutschland hat aus der Geschichte heraus eine besondere Verantwortung gegenüber Israel?

Die aus der Geschichte resultierende Verantwortung Deutschlands gegenüber Israel ist mir persönlich sehr wichtig. Deutschland und Israel sind und bleiben auf besondere Weise durch die Erinnerung an die Shoah verbunden. Für mich ist klar, dass Deutschland sich zu seiner immerwährenden Verantwortung für die moralische Katastrophe in seiner Geschichte bekennen muss. Dadurch können wir die Zukunft menschlich gestalten. Wir dürfen nicht zulassen, dass Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland wieder Fuß fassen. Ich möchte dazu beitragen, die Erinnerung an die Shoah wach zu halten. Ich wünsche mir, dass sich alle in unserem Land zu unserer gemeinsamen Wertepartnerschaft bekennen.

Frage 2:
Deutschland hat sich aus der sogenannten „Durban II“-Konferenz im April 2009 in Genf zurückgezogen – aus Sorge heraus, dass diese Konferenz zum Beispiel von Irans Präsident Achmadinedschad zu antisemitischer Hetze missbraucht werden könnte. Wie beurteilen Sie die Entscheidung Deutschlands?

Die Bundesregierung hat lange Zeit versucht, in Verhandlungen sicher zu stellen, dass die „Durban II“-Konferenz nicht zum Forum von antisemitischer Hetze missbraucht wird. Dieser Versuch war richtig, weil Deutschland die Vereinten Nationen und ihre Ideale unterstützt. Als dieser Versuch scheiterte, zog sich Deutschland zu Recht von dieser Veranstaltung zurück. Der unsägliche Auftritt des iranischen Präsidenten zeigte, dass die Entscheidung der Bundesregierung richtig war.

Frage 3:
Welche Maßnahmen ziehen Sie in Erwägung angesichts der potenziellen atomaren Bedrohung Israels durch den Iran und angesichts der Tatsache, dass Deutschland der wichtigste westliche Handelspartner des Irans ist?

Die besondere historische Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Israels ist Teil der Staatsräson unseres Landes und muss es auch bleiben. Das heißt, die Sicherheit Israels darf, wie bisher, für eine deutsche Bundesregierung niemals verhandelbar sein. Deutschland setzt gemeinsam mit seinen Partnern im Konflikt der internationalen Staatengemeinschaft mit dem Iran auf eine diplomatische Lösung. Die Bundesregierung muss sich dabei, wenn der Iran nicht einlenkt, weiter entschieden für Sanktionen einsetzen, auch wenn Deutschland dabei kurzfristig auf wirtschaftliche Vorteile verzichten müsste.

Frage 4:
Die Hamas strebt laut eigener Charta nach wie vor die Zerstörung Israels an, bekennt sich zum Terrorkampf gegen Israel und erkennt bestehende Verträge nicht an. Was ist Ihrer Meinung nach eine angemessene Strategie?

Unser Ziel ist, dass die Hamas dem Beispiel der Fatah folgt und das Existenzrechts Israels anerkennt, auf Gewalt und Terror verzichtet sowie die bestehenden Verträge und Abkommen anerkennt. Solange die Hamas diese Bedingungen des Nahost-Quartetts (EU, UN, USA und Russland) nicht erfüllt, kann die Hamas kein Gesprächspartner für uns sein.

Frage 5:
Zum Anliegen der Verbesserung der deutsch-israelischen Beziehungen: Welche Erfahrungen haben Sie persönlich gemacht? Welche Empfehlungen haben Sie – auch für das konkrete Engagement von Bürgern in Ihrem Wahlkreis?

Ich finde es eindrucksvoll, dass wir trotz der belastenden Vergangenheit eine enge Partnerschaft zwischen unseren Ländern aufbauen konnten und ich persönliche Freundschaften mit Israelis erfahren konnte. Ich empfehle, Israel mit einer der vielen Organisationen in Deutschland, die Beziehungen mit Israel pflegen, zu besuchen. Ich selbst bin schon oft in Israel gewesen und freue mich, dass zum Beispiel Kirchengemeinden in meinem Wahlkreis, dem Rhein-Kreis Neuss, solche Reisen anbieten. Zu meiner Freude pflegt zudem die Stadt Dormagen in meinem Wahlkreis seit 1995 eine Partnerschaft zu Kiryat Ono in der Nähe von Tel Aviv. Ein reges Austauschprogramm ermöglicht alljährlich Begegnungen vor allem junger Menschen beider Städte und leistet damit einen kleinen, aber nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Jahrhundertaufgabe der Versöhnung beider Völker.

 
 
 
 

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