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Ergebnisse

Wahlkreis 141: Herne – Bochum II (Nordrhein-Westfalen)
Fischbach, Ingrid Marianne
CDU
5 Fragen beantwortet
 

Herne - stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie im Ausschuss für Arbeit und Soziales.

Frage 1:
Was bedeutet für Sie persönlich der Fall der Mauer vor fast 25 Jahren – und was die Deutsche Einheit?

 Das mutige Eintreten der Menschen für Freiheit und der darauffolgende Fall der Mauer haben mich sehr bewegt. Voller Respekt, Bewunderung und Dankbarkeit blicke ich auf die Frauen und Männer, die friedlich für Bürgerrechte eingestanden sind. Die Deutsche Einheit ist ein Geschenk, das wir auch den Menschen zu verdanken haben, die stets an das Zusammenwachsen von Ost und West geglaubt und in unterschiedlichster Weise dafür gearbeitet haben.

Frage 2:
Welche Aufgaben im Zusammenwachsen der Menschen von Ost und West liegen weiterhin vor uns – und wie wollen Sie sie in Ihrer politischen Verantwortung verwirklichen?

Meiner Meinung nach sind wir alle gefragt, noch bestehende Grundrisse der Mauer in unseren Köpfen einzureißen. Jede und jeder hat die Wahl, Vorurteile zu pflegen oder sich selbst durch gegenseitigen Austausch und tatsächlichen Kontakt mit Menschen in Ost und West zu überraschen. Ich werbe für Zweites. Dabei kann uns der Mut der Menschen, die die Wende bewirkt haben und ein deutliches Risiko eingegangen sind, Ansporn sein.

Frage 3:
Wie können Sie sich eine Aufwertung des Nationalfeiertags am 3. Oktober vorstellen? Wie stehen Sie zu dem Anliegen, den 3. Oktober als einen Tag unter dem Motto "Danken Feiern Beten" als öffentliche Veranstaltung unter Beteiligung der christlichen Kirchen in möglichst vielen Orten zu begehen?
Dass der 3. Oktober in Deutschland Nationalfeiertag ist, begrüße ich sehr.
Dieser Tag macht immer wieder deutlich, welch großes Wagnis die Menschen
eingingen und dass die Deutsche Einheit kein erwartbarer Selbstläufer war,
der sich früher oder später sowieso eingestellt hätte. Es gilt, sich dessen
bewusst zu sein. Die offiziellen Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag, die jedes
Jahr in der Landeshauptstadt des Landes stattfinden, das zu dem Zeitpunkt
den Vorsitz im Bundesrat innehat, bringen die Verbundenheit aller
Bundesländer und die Einheit Deutschlands zum Ausdruck. Ich plädiere dafür,
an dieser Tradition festzuhalten und bei der Gestaltung der Festivitäten
insbesondere junge Menschen einzubeziehen, um die Erinnerung an das
Geschehen wach zu halten.
Frage 4:
Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach für die Politik die jüdisch-christlichen Werte – wie Nächstenliebe, Frieden, Versöhnung, Sonntagsruhe, Würde jeder menschlichen Person am Lebensanfang und am Lebensende, Ehe und Familie, usw. – im Kontext einer multikulturellen Gesellschaft?
Die jüdisch-christlichen Werte geben Orientierung in politischen
Entscheidungsprozessen und bei den Bemühungen um eine gerechte
Gestaltung unserer Gesellschaft. Der christliche Glaube spielt für mich als
überzeugte und gläubige Katholikin eine große Rolle. So sind das christliche
Menschenbild und die christliche Soziallehre Maßstab in den verschiedensten
Politikfeldern: angefangen bei bioethischen Fragestellungen, dem
uneingeschränkten Schutz der Menschenwürde, die unmittelbar aus dem
Menschen als Abbild Gottes resultiert und Lebensanfang wie Lebensende
betrifft über eine Familienpolitik, die die Belange der Kinder und Familien
sieht und entsprechende Rahmenbedingungen schafft bis hin zu einer
Gleichstellungspolitik, die für Frauen und Männer gerechte Chancen vorsieht
und zurückgeht auf die Schöpfung des Menschen als Mann und Frau – beide
gleichermaßen aufgerufen zur Weltgestaltung.
Frage 5:
Brauchen wir neben einer Kultur des Gedenkens auch eine Kultur des Verzeihens, der Versöhnung und die Überwindung des Schweigens für Opfer und Täter nach dem Ende der DDR? Wie stehen Sie dazu im Hinblick auf die 25-Jahr-Feiern am 09. November 2014 und 03. Oktober 2015? Was sollte bis dahin geschehen und wie sollten diese Jubiläen dazu beitragen?
Eine Kultur des Verzeihens, der Versöhnung und die Überwindung des
Schweigens für Opfer und Täter sind meines Erachtens erstrebenswert,
können aber nicht politisch verordnet werden. Da es sich um sehr persönliche
Schicksale handelt, verlangt die Aufarbeitung vielmehr ein individuelles
Verhalten von Opfern und Tätern, das gesetzlich nicht eingefordert werden
kann. Die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen bietet die
Möglichkeit, persönliche Rückschau zu halten, Geschichte wahrzunehmen
und die eigene Verantwortlichkeit zu erkennen. Dies erfordert in jedem Fall
Kraft und Aufrichtigkeit. Das wünsche ich den Betroffenen.