Projekt Bundestagswahl · Deutschland · Israel

Ergebnisse

Wahlkreis 287: Konstanz (Baden-Württemberg)
Erikli, Nese
GRÜNE
5 Fragen beantwortet
 

Wahlkreis Konstanz

Frage 1:
Was bedeutet für Sie persönlich der Fall der Mauer vor fast 25 Jahren – und was die Deutsche Einheit?
Ich persönlich kann mich noch sehr gut daran erinnern, obwohl ich erst 8 Jahre alt war. Ich werde die mit Glückstränen gefüllten Augen der Menschen nie vergessen. Der Fall der Mauer hat uns allen gezeigt, dass Wandel mit Hilfe von Engagement, Herzblut und Mut möglich ist. Die Deutsche Einheit sehe ich als einen Prozess, dem wir uns jeden Tag wieder aufs Neue stellen müssen. Denn vieles ist noch nicht einheitlich, die Renten und Löhne sind Beispiele für Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern, die es anzugehen gilt.
Frage 2:
Welche Aufgaben im Zusammenwachsen der Menschen von Ost und West liegen weiterhin vor uns – und wie wollen Sie sie in Ihrer politischen Verantwortung verwirklichen?

Uns Grünen ist eine aktive Auseinandersetzung mit der deutsch-deutschen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wichtig. Hier bedarf es neuer Ideen und Projekte, um zukunftsfähige gesellschaftliche Strukturen in Ostdeutschland zu entwickeln und Unterstützung für diejenigen zu bieten, die sich engagieren und für ihre Region einsetzen. Als Aufgabe die es anzugehen gilt, sehe ich die anhaltende Abwanderung an. Ostdeutschland als Lebens- und Arbeitsraum muss so gestärkt werden, dass junge Menschen bleiben wollen. Nur so lässt sich dem abzeichnenden Fachkräftemangel entgegenwirken.

Frage 3:
Wie können Sie sich eine Aufwertung des Nationalfeiertags am 3. Oktober vorstellen? Wie stehen Sie zu dem Anliegen, den 3. Oktober als einen Tag unter dem Motto "Danken Feiern Beten" als öffentliche Veranstaltung unter Beteiligung der christlichen Kirchen in möglichst vielen Orten zu begehen?

Unser Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober ist ein Nationalfeiertag für alle BürgerInnen, egal ob und welchem religiösem Bekenntnis sie folgen. Natürlich sind Glaubensgemeinschaften eingeladen an diesem Tag ihre Anliegen vorzubringen und diesen Tag nach ihren eigenen Vorstellungen für sich zu gestalten. Allerdings können wir Grünen eine Ausgestaltung staatlicher Veranstaltungen in einer Weise, die nicht gläubige beziehungsweise andersgläubige Menschen ausgrenzt, nicht befürworten. Das würde zum einen unserer pluralistischen Gesellschaft und zum anderen dem Charakter des Einheitstages nicht gerecht werden.

 

Frage 4:
Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach für die Politik die jüdisch-christlichen Werte – wie Nächstenliebe, Frieden, Versöhnung, Sonntagsruhe, Würde jeder menschlichen Person am Lebensanfang und am Lebensende, Ehe und Familie, usw. – im Kontext einer multikulturellen Gesellschaft?

Unsere vielfältige Gesellschaft sehe ich als unglaublich bereichernd an. Nächstenliebe, Frieden und den Wert der Familie, all das sind Werte, die – unabhängig von der Religion jedes einzelnen – unsere Gesellschaft prägen. Die Politik als RepräsentantIn der BürgerInnen, ist dazu verpflichtet und auch durch das Grundgesetz daran gebunden, diese Werte zu achten und zu schützen. Und Werte wie beispielsweise Frieden sind Werte für alle Menschen, egal welchen Glaubens. Dafür werde ich mich im 18. Deutschen Bundestag einsetzen.

Frage 5:
Brauchen wir neben einer Kultur des Gedenkens auch eine Kultur des Verzeihens, der Versöhnung und die Überwindung des Schweigens für Opfer und Täter nach dem Ende der DDR? Wie stehen Sie dazu im Hinblick auf die 25-Jahr-Feiern am 09. November 2014 und 03. Oktober 2015? Was sollte bis dahin geschehen und wie sollten diese Jubiläen dazu beitragen?

Die DDR war ein Unrechtsstaat und hat vielen Menschen aufgrund ihres politischen Widerstands psychisches und physisches Leid angetan. Diese Menschen müssen endlich angemessen gewürdigt und entschädigt werden.

Gleichzeitig muss Menschen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Taten zu bereuen. Dem trägt auch unsere Rechtsordnung u.a. mit strafrechtlichen Verjährungsfristen Rechnung. Die Fraktion von Bündnis 90/DIE GRÜNEN hat sich vor diesem Hintergrund gegen eine uferlose Ausweitung der Überprüfung auf Stasi-Tätigkeiten im öffentlichen Dienst und eine erzwungene Umsetzung von ehemaligen Mitarbeitern der Staatssicherheit aus der Stasi-Unterlagenbehörde ausgesprochen.

Um weiterhin an die Opfer des DDR-Regimes zu gedenken, könnte eine Begegnungsstätte auf dem Gebiet der ehemaligen Stasi-Zentrale entstehen.