Projekt Bundestagswahl · Deutschland · Israel

Ergebnisse

Wahlkreis 59: Märkisch-Oderland – Barnim II (Brandenburg)
Enkelmann, Dr. Dagmar Gertraud Elsa
DIE LINKE
5 Fragen beantwortet
 
Frage 1:
Was bedeutet für Sie persönlich der Fall der Mauer vor fast 25 Jahren – und was die Deutsche Einheit?

Der Fall der Mauer war zum einen ein Tag der Freude, weil das im Kalten Krieg entstandene Bauwerk sich letztlich gegen das eigene Volk gerichtet hatte. Zum anderen wurde damit Deutschland von heute auf morgen wieder ökonomisch zusammengefügt, was einen eigenständigen und selbstbestimmten Entwicklungsweg auf dem Gebiet der ehemaligen DDR unmöglich machte. Die Wiederherstellung der Deutschen Einheit war historisch überfällig und bedeutete für mich persönlich den Wechsel in ein Leben als Berufspolitikerin. Ich hätte die Einheit allerdings nach Paragraf 146 des Grundgesetzes und nicht durch einen Beitritt der DDR nach Paragraf 23 vollzogen.

Frage 2:
Welche Aufgaben im Zusammenwachsen der Menschen von Ost und West liegen weiterhin vor uns – und wie wollen Sie sie in Ihrer politischen Verantwortung verwirklichen?

Vor allem ist endlich der Auftrag des Grundgesetzes zu erfüllen, in Ost und West für gleichwertige Lebensverhältnisse zu sorgen. Dem widersprechen u.a. eine höhere Arbeitslosigkeit, niedrigere Löhne, ein geringerer Renteneckwert und eine oft schwächere wirtschaftliche Basis im Osten.  Dagegen muss die Politik gegensteuern u.a. durch einen gesetzlichen Mindestlohn, ein einheitliches und gerechtes Rentensystem und eine gezielte Regionalentwicklung. Dies werde ich, sofern ich wieder als Bundestagsabgeordnete gewählt werden, zusammen mit meiner Fraktion DIE LINKE einfordern.

Frage 3:
Wie können Sie sich eine Aufwertung des Nationalfeiertags am 3. Oktober vorstellen? Wie stehen Sie zu dem Anliegen, den 3. Oktober als einen Tag unter dem Motto "Danken Feiern Beten" als öffentliche Veranstaltung unter Beteiligung der christlichen Kirchen in möglichst vielen Orten zu begehen?

Der 3. Oktober wird  als Nationalfeiertag bereits gebührend gewürdigt, eine weitere Aufwertung halte ich nicht für notwendig. Die Kirche im Osten war in der Wendezeit ein wichtiger politische Akteur. Insofern spricht nichts gegen öffentliche Veranstaltungen unter dem genannten Motto, sofern sie wirklich allen Menschen, ob sie gläubig sind oder nicht und unabhängig von ihrer Glaubensrichtung, offenstehen.

Frage 4:
Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach für die Politik die jüdisch-christlichen Werte – wie Nächstenliebe, Frieden, Versöhnung, Sonntagsruhe, Würde jeder menschlichen Person am Lebensanfang und am Lebensende, Ehe und Familie, usw. – im Kontext einer multikulturellen Gesellschaft?

DIE LINKE betrachtet die unterschiedlichen religiösen, weltanschaulichen und kulturellen Ansätze und Werte unserer Gesellschaft als bereicherndes Element des Lebens. Die Werte, von denen sich viele Menschen - ob gläubig oder nicht -  in ihrem Leben, aber auch in der Politik, leiten lassen, speisen sich aus unterschiedlichen Quellen und sich doch oft ähnlich, heißen sie Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Würde oder Solidarität, Mitgefühl und Respekt. Im Kern geht es immer um humanistisches Bild von einem Leben in Frieden, Selbstbestimmung und dem Streben nach Glück. 

Frage 5:
Brauchen wir neben einer Kultur des Gedenkens auch eine Kultur des Verzeihens, der Versöhnung und die Überwindung des Schweigens für Opfer und Täter nach dem Ende der DDR? Wie stehen Sie dazu im Hinblick auf die 25-Jahr-Feiern am 09. November 2014 und 03. Oktober 2015? Was sollte bis dahin geschehen und wie sollten diese Jubiläen dazu beitragen?

Der Prozess der Überwindung der Teilung läuft seit vielen Jahren und ist, bezogen vor allem auf die nachwachsende Generation, recht erfolgreich. Der 25. Jahrestag bietet sicherlich Gelegenheit, auf den Stand dieses Prozesses zu schauen und eine Bilanz zu ziehen. Für DIE LINKE geht es hier um einen möglichst gleichberechtigten Prozess, bei dem auch die spezifischen Erfahrungen des Ostens einbezogen und gewürdigt werden. Verzeihen und Versöhnen lassen sich nicht verordnen, dazu braucht es Zeit und Räume zum Austausch der unterschiedlichen Erfahrungswelten.