Projekt Bundestagswahl · Deutschland · Israel

Ergebnisse

Wahlkreis 80: Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf (Berlin)
Cieschinger, Marlene
DIE LINKE
5 Fragen beantwortet
 
Frage 1:
Was bedeutet für Sie persönlich der Fall der Mauer vor fast 25 Jahren – und was die Deutsche Einheit?

Als einer Person, die in einem neutralen Ausland aufgewachsen ist und 20 Jahre lang kaum Bezug zu einem der deutschen Staaten hatte, besaß der Fall der Mauer keine emotionale Bedeutung.

Als es die Deutsche Einheit gab, war jedenfalls klar, dass sie gerecht für alle in diesem neuen Land lebenden Menschen vonstatten gehen sollte und das Ende des Kalten Krieges erweckte große Hoffnungen auf eine friedlichere Welt.

Frage 2:
Welche Aufgaben im Zusammenwachsen der Menschen von Ost und West liegen weiterhin vor uns – und wie wollen Sie sie in Ihrer politischen Verantwortung verwirklichen?

Noch gibt es viele Ungerechtigkeiten, die nach all den Jahren dringend beseitigt werden müssen. Dazu gehören eine Angleichung der Renten in Ost und West, das Ende ungleicher Löhne und andererseits wiederum dass sich der Westen ein Beispiel an der Versorgung mit Kitaplätzen nimmt. Inzwischen gibt es aber nicht nur Ungleichheiten zwischen östlichen und westlichen Regionen sondern auch Unterschiede innerhalb der einzelnen Bundesländer. Ein neuer Solidarpakt, der strukturschwache Regionen unterstützt, egal wo sie geografisch liegen, ist angebracht und würde mit Sicherheit noch bestehende Ressentiments abbauen. All dies sind Aufgaben für den Bundestag, wo ich mich entsprechend einbringen würde.

Frage 3:
Wie können Sie sich eine Aufwertung des Nationalfeiertags am 3. Oktober vorstellen? Wie stehen Sie zu dem Anliegen, den 3. Oktober als einen Tag unter dem Motto "Danken Feiern Beten" als öffentliche Veranstaltung unter Beteiligung der christlichen Kirchen in möglichst vielen Orten zu begehen?

Ich denke nicht, dass der Nationalfeiertag aufgewertet werden sollte und ich könnte mir auch vorstellen, anstelle des 3. Oktobers einen Tag zu wählen, der aus der gemeinsamen Geschichte des ganzen Landes, also der Zeit vor der Teilung, stammt.

 

Der 3. Oktober ist eindeutig ein säkularer Feiertag, der auch als solcher begangen werden sollte, da er anderenfalls Menschen, die keiner der christlichen Kirchen angehören – hier handelt es sich um rund 40 % der Gesellschaft – unnötig ausgrenzt.

 

Frage 4:
Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach für die Politik die jüdisch-christlichen Werte – wie Nächstenliebe, Frieden, Versöhnung, Sonntagsruhe, Würde jeder menschlichen Person am Lebensanfang und am Lebensende, Ehe und Familie, usw. – im Kontext einer multikulturellen Gesellschaft?

Bestimmte ethische Normen, zu denen auch die genannten – teilweise unter anderen Namen -  gehören, finden sich in den allermeisten Religionen und Weltanschauungen. Sie sind nicht auf jüdisch-christliche Wurzeln beschränkt. Würden sich alle Menschen bzw. Gesellschaften von ihnen leiten lassen, wäre unsere Welt gewiss friedlicher, gerechter, toleranter und umweltfreundlicher. Diese Ideale zur Selbstverständlichkeit werden zu lassen und mit Leben zu erfüllen, ist eine wichtige Aufgabe für die Politik, aber auch für jeden und jede Einzelne.

Frage 5:
Brauchen wir neben einer Kultur des Gedenkens auch eine Kultur des Verzeihens, der Versöhnung und die Überwindung des Schweigens für Opfer und Täter nach dem Ende der DDR? Wie stehen Sie dazu im Hinblick auf die 25-Jahr-Feiern am 09. November 2014 und 03. Oktober 2015? Was sollte bis dahin geschehen und wie sollten diese Jubiläen dazu beitragen?

Jahrestage sind immer ein guter Zeitpunkt zur Betrachtung und dazu Bilanz zu ziehen. Vieles, das in Zeiten des Kalten Krieges in beiden deutschen Staaten geschehen ist, wurde bereits erforscht, dennoch gibt es, gerade zurzeit, immer weitere Erkenntnisse. Neben der umfassenden Veröffentlichung aller Ergebnisse bieten ein breiter gesellschaftlicher Dialog und der Austausch von Erfahrungen auf Augenhöhe die besten Voraussetzungen für eine gemeinsame Zukunft, in der Verzeihung und Versöhnung stattfinden können. Ein gutes Beispiel dafür sind die Wahrheitskommissionen nach dem Ende der Apartheid in Südafrika.