Projekt Bundestagswahl · Deutschland · Israel

Ergebnisse

Wahlkreis 5: Kiel (Schleswig-Holstein)
Blumenthal, Sebastian
FDP
5 Fragen beantwortet
 

Vorsitzender des Unterausschusses Neue Medien

Frage 1:
Was bedeutet für Sie persönlich der Fall der Mauer vor fast 25 Jahren – und was die Deutsche Einheit?

 Ich wurde 1974 in Bergen auf Rügen geboren und bin die erste 14 Jahre meines Lebens in der DDR aufgewachsen. In diesen Jahren habe ich erfahren, was es heißt, die eigene Meinung nicht frei äußern zu dürfen und den Wohnort nicht frei wählen zu können. Im Jahr 1989 sind meine Familie und ich noch vor Ende des Regimes ausgereist. Die neugewonnene Freiheit war für mich überwältigend. Schnell stand damals für mich fest, dass ich diese von nun an verteidigen will.

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Frage 2:
Welche Aufgaben im Zusammenwachsen der Menschen von Ost und West liegen weiterhin vor uns – und wie wollen Sie sie in Ihrer politischen Verantwortung verwirklichen?
Seit dem Fall der Mauer sind die Menschen in den neuen und den alten Bundesländern
immer mehr zusammengewachsen. Die wenigsten denken heute noch in den Kategorien
„West“ und „Ost“. Dennoch haben 40 Jahre Planwirtschaft bis in die Gegenwart ihre Spuren hinterlassen. Eine wesentliche Herausforderung liegt darin, die Wirtschaftskraft der neuen Bundesländer weiter zu stärken und die Arbeitslosigkeit zu senken.
Frage 3:
Wie können Sie sich eine Aufwertung des Nationalfeiertags am 3. Oktober vorstellen? Wie stehen Sie zu dem Anliegen, den 3. Oktober als einen Tag unter dem Motto "Danken Feiern Beten" als öffentliche Veranstaltung unter Beteiligung der christlichen Kirchen in möglichst vielen Orten zu begehen?
Der 3. Oktober hat als Nationalfeiertag bereits eine zentrale Stellung unter den deutschen Feiertagen. Damit die Erinnerungen an das Unrechtsregime nicht verblassen, halte ich es für wichtig, dass die Feierlichkeiten an möglichst vielen Orten stattfinden. Eine stärkere Beteiligung der Kirchen, die selbst einen großen Anteil an der deutschen Einheit haben, kann ich nur begrüßen.
Frage 4:
Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach für die Politik die jüdisch-christlichen Werte – wie Nächstenliebe, Frieden, Versöhnung, Sonntagsruhe, Würde jeder menschlichen Person am Lebensanfang und am Lebensende, Ehe und Familie, usw. – im Kontext einer multikulturellen Gesellschaft?
Die jüdisch-christlichen Werte haben zweifelsohne unser Land und unsere Kultur geprägt.
Viele Werte sind deshalb auch im Grundgesetz verankert und erfahren dadurch ebenso
politisch einen besonderen Schutz. Für das Zusammenleben in einer multikulturellen
Gesellschaft gehört gleichzeitig Toleranz und Offenheit gegenüber Andersartigkeit zu den obersten Maximen.
Frage 5:
Brauchen wir neben einer Kultur des Gedenkens auch eine Kultur des Verzeihens, der Versöhnung und die Überwindung des Schweigens für Opfer und Täter nach dem Ende der DDR? Wie stehen Sie dazu im Hinblick auf die 25-Jahr-Feiern am 09. November 2014 und 03. Oktober 2015? Was sollte bis dahin geschehen und wie sollten diese Jubiläen dazu beitragen?
Die DDR hat der eigenen Bevölkerung unendlich viel Leid zugefügt. Voraussetzung für
Versöhnung ist deshalb die Aufarbeitung des SED-Unrechts, ein Bekenntnis zur Schuld und Hilfe für die Opfer. Auch darf das SED-Regime nicht verharmlost werden. Die Erinnerungen an das Unrecht gilt es wachzuhalten. Die 25-Jahr-Feier kann einen Anlass bieten, um eine Bilanz bei der Aufarbeitung zu ziehen.